Die Energiewende in Deutschland ist keine Erfindung der letzten Jahre. Erste Bemühungen wurden schon vor 50 Jahren angestoßen. Die aktuelle Entwicklung der Energiewende beschäftigt sich mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien in Form von Windkraft und Photovoltaik. In 2024 wurden so viele Windräder wie noch nie zuvor genehmigt. Außerdem soll Wasserstoff bis 2030 eine tragende Rolle in der deutschen Stromversorgung spielen und danach auch Einzug in die Wärmeversorgung halten.
Energiewende in Deutschland bedeutet, dass in Zukunft immer mehr erneuerbare Energiequellen die Energieversorgung übernehmen und der Anteil fossiler Energieträger Erdöl, Erdgas und Kohle abnimmt. Während viele Länder Kernenergie als neutrale und umweltfreundliche Energiequelle nutzen, ist diese in Deutschland nicht Teil einer klimaneutralen Zukunftsplanung. Stattdessen liegt das Augenmerk primär auf Wind- und Sonnenenergie. Außerdem soll zukünftig auch Wasserkraft und Energie aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz, Pflanzenöl und Biogas eine größere Rolle spielen.
Jedes Jahr sparen
Jedes Jahr sparen
Geschichte der Energiewende
Der Startschuss für die Energiewende in Deutschland liegt in den 1970ern. Auslöser für erste Diskussionen waren etwa die Ölkrise, die Frage nach Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit sowie die Proteste gegen die Kernenergie. In den 1980ern, besonders nach der Tschernobyl-Katastrophe, flammten die Diskussionen um einen Kernkraftausstieg wieder auf. Die damalige Regierung rief etwa das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ins Leben und gab zwei Studien zu Atomausstiegsszenarien in Auftrag. Beide Studien bestätigten, dass ein Atomausstieg “technisch machbar, ökologisch unbedenklich und wirtschaftlich vertretbar” wäre. Trotzdem behielt die Regierung den bisherigen Kurs bei und verzichtete auf die Vorbereitung des Atomausstiegs.
In den 1990ern wurde mit dem Stromeinspeisungsgesetz der Ausbau von erneuerbaren Energien in Deutschland gefördert, indem Energieversorger zur Abnahme und Vergütung von Ökostrom verpflichtet wurden. Parallel dazu gewann seit Ende der 1980er auch der Klimaschutz an Bedeutung. In den daraus entstandenen Konsensgesprächen begann der Atomausstieg. Nach fünf Verhandlungsrunden scheiterten diese aufgrund unterschiedlicher Interessen von Politik, Wirtschaft und Umweltverbänden.
Während der Rot-Grünen Regierung zwischen 1998 und 2005 kam es zu einer ersten Beschleunigung der Energiewende und einer stärkeren Förderung erneuerbarer Energien. Zentrale Punkte aus dem Koalitionsvertrag waren die Ökosteuer auf Energieverbräuche, die stärkere Förderung erneuerbarer Energien, das 100.000-Dächer-Programm zur Errichtung von Photovoltaikanlagen und der gesetzlich vereinbarte Atomausstieg. In dem Zuge veränderte sich auch der deutsche Strommix: Während der Anteil erneuerbarer Energien durch die neuen Gesetze langfristig angestiegen ist, verringerte sich der Anteil an Kernenergie und Kohlestrom um die Jahrtausendwende geringfügig. Langfristige Auswirkungen waren noch in den 2010er-Jahren zu spüren, als der Anteil fossiler Energieträger stetig reduziert wurde. Außerdem verabschiedete diese Regierung im Jahr 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das seitdem mehrfach novelliertund aktualisiert wurde und somit bis heute Bestand hat.
Weitere Wendepunkte für die Energiewende in Deutschland stellten die Nuklearkatastrophe in Fukushima in Japan 2012 und der Krieg in der Ukraine seit 2022 dar. Nur wenige Monate nach der Zerstörung der japanischen Reaktoren stimmte der Bundestag mit einer Mehrheit von 513 zu 79 Stimmen für einen Atomausstieg bis 2022. Durch den Krieg in der Ukraine entschied die Bundesregierung außerdem, die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen zu beenden, was notwendigerweise zu einem deutlich beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland führte.
Status Quo der Energiewende & Zukunftspläne
2023 hatten erneuerbare Energien erstmals einen Anteil von über 50 Prozent am Stromverbrauch in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2024 stieg der Anteil am Bruttostromverbrauch noch weiter auf 57 Prozent. Mit dem Bruttostromverbrauch wird der Ausbau erneuerbarer Energien dokumentiert. Bis Ende 2030 sollen mindestens 80 Prozent des deutschen Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien gedeckt sein.
Auch bei der Stromerzeugung ist der Anteil erneuerbarer Energie gestiegen. Im ersten Halbjahr 2024 hatten Erneuerbare Energien einen Anteil von 61,5 Prozent an der deutschen Stromerzeugung. Dabei machte die Windenergie etwa ein Drittel, Photovoltaik etwa 14 Prozent der gesamten Stromerzeugung aus. Der Anteil konventioneller Energieträger sank um etwa 20 Prozent.
Eine Fortsetzung dieser Entwicklung ist zu erwarten. Im Rekordjahr 2024 wurden in Deutschland etwa 2.400 neue Windräder genehmigt – so viele wie nie zuvor und fast doppelt so viele wie noch 2023. Dieser Anstieg bedeutet allerdings nicht, dass Auswirkungen unmittelbar und sofort spürbar sind. Nach der Genehmigung dauert es in der Regel zwei Jahre bis zum Bau und Anschluss des Windrads. 2024 gingen 635 neue Windenergieanlagen ans Netz, wodurch sich die installierte Leistung aus Windkraft auf 63,5 Gigawatt erhöhte. Für 2025 wird ein Zuwachs von ungefähr 5 Gigawatt erwartet.
Um bis 2045 eines der ersten klimaneutralen Industrieländer zu werden, soll in Deutschland auch Wasserstoff eine entscheidende Rolle spielen – einerseits als Energieträger für die Wärmeversorgung, andererseits zur Speicherung und zum Transport erneuerbaren Stroms. Dazu wurde im Sommer 2023 die Fortschreibung der nationalen Wasserstoffstrategie beschlossen. Diese umfasst zwei primäre Ziele:
- 1Bis 2030 die Wasserstoffkapazität auf 10 Gigawatt ausbauen
- 2Bis 2027/28 ein 1.800 Kilometer langes Leitungsnetz aufbauen
Bis 2030 soll Wasserstoff verstärkt in Industrie und Verkehr genutzt sowie in die Stromerzeugung integriert werden, um die Versorgung auch bei hoher Stromnachfrage sicherzustellen. Die Wärmeversorgung spielt in der nationalen Wasserstoffstrategie bis 2030 vorerst keine große Rolle, da ein direkter Einsatz in der Raumwärme erst nach 2030 realistisch erscheint.
Wasserstoffimporte : Schlüssel zur Energiewende
Um die Wasserstoffziele zu erreichen, hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz auch eine Importstrategie für Wasserstoff aufgestellt. Bis 2030 müsse demnach 50 bis 70 Prozent des Bedarfs durch Importe gedeckt werden. Danach werde der Anteil noch weiter ansteigen. Importe sollen sowohl von europäischen als auch außereuropäischen Partnern kommen, die Mindeststandards erfüllen und einem anerkannten Zertifizierungssystem für Wasserstoff unterliegen.
Der Handel mit Wasserstoff soll die exportierenden Partner gleichzeitig im Aufbau einer Wertschöpfungskette stärken, ihnen Chancen zur wirtschaftlichen Entwicklung bieten und Anreize zur Dekarbonisierung der Industrie schaffen. So soll Wasserstoff insgesamt günstiger verfügbar und attraktiver gegenüber fossilen Energieträgern sein. Zur Förderung des internationalen Wasserstoffhandels wurde bereits die Plattform H2Global ins Leben gerufen.

Zukunft der Energiewende – Stromverbrauch und Strombedarf
Durch die Energiewende und die Umstellung auf erneuerbare Energien verändert sich auch die Verfügbarkeit von Strom. Erneuerbare Energie aus Wind und Sonne ist nicht rund um die Uhr in gleichem Maße verfügbar, sondern vom Wetter abhängig. Das kann teilweise zu zwei problematischen Szenarien führen:
- 1Stromüberschuss oder
- 2Strommangel
In Zeiten mit hoher Stromerzeugung aus Sonne und Wind kann es zu einem Stromüberschuss kommen, der nicht ins Stromnetz eingespeist werden kann, weil es keine Abnehmer gibt. Würde dieser Strom ins Netz eingespeist werden, käme es zu einer Überlastung. Um so einen Stromüberschuss zu vermeiden, werden Kraftwerke heruntergefahren, um das Netz zu schützen, ein sogenannter Redispatch. In 2024 kam es so zu Kosten in Höhe von etwa 2 Milliarden Euro, die in der Regel auf die Netzentgelte aufgeschlagen werden. Außerdem kam es deshalb in der Vergangenheit vermehrt zu negativen Preisen an der Strombörse. Mit anderen Worten: Wenn Stromerzeuger ihren Strom verkaufen, müssen sie sogar Geld an die Abnehmer zahlen. Ist das Netz überlastet, kann es auch stellenweise zu Brown-Outs kommen, eine geplante Schutzmaßnahme, um großflächige Stromausfälle zu verhindern.
Das gegenteilige Szenario tritt ein, wenn zu wenig Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird. Weht kein Wind und scheint keine Sonne kommt es zu einer sogenannten Dunkelflaute. Dann braucht es entweder Stromimporte aus dem Ausland oder die konventionellen Gas- und Kohlekraftwerke müssen mehr Leistung erbringen, um den Ausfall der erneuerbaren Energien zu kompensieren – zumindest, solange es keine wirklichen realistischen Möglichkeiten gibt, große Mengen erzeugten Stroms zu speichern. In der Vergangenheit kam es vor allem in den dunkleren Wintermonaten zu Dunkelflauten. Analysen zufolge ist besonders die Zeit zwischen Ende Januar und Anfang Februar hierfür anfällig.
Zu Beginn der Legislaturperiode prognostizierten die Parteien der Ampelregierung, dass sich der jährliche Gesamtstromverbrauch in Deutschland bis 2023 auf 750 Terawattstunden erhöhen würde, eine Erhöhung von mehr als einem Drittel des damaligen Verbrauchs. Das würde einerseits zu einer Entlastung in Zeiten von hoher Stromerzeugung führen. Andererseits bedeutet das aber auch, dass während Dunkelflauten mehr Reserveenergie zur Verfügung stehen muss. Ökonomen zufolge ist diese Erhöhung aber zu hoch angesetzt. Realistischer sei ein Jahresverbrauch zwischen 600 und 650 Terawattstunden, was wieder eher dem Niveau zwischen 2005 und 2010 entspricht.
Volatile Stromerzeugung – volatiler Stromverbrauch?
Ein Stromnetz ist immer dann am stabilsten, wenn genauso viel Strom entnommen wie eingespeist wird. Wird mehr Strom eingeführt als verbraucht, wird es instabil. Eine Reaktion auf diese volatile Stromerzeugung ist es also, auch den Stromverbrauch volatiler zu gestalten. Das geschieht, indem hoher Stromverbrauch so gut wie möglich in die Zeiten großer erneuerbarer Stromerzeugung gelegt wird. Auf diese Weise gibt es Abnehmer für die großen Strommengen, das Netz wird nicht überlastet und Kraftwerke müssen nicht vorübergehend heruntergefahren werden.
Der Zuwachs an E-Mobilität und Wärmepumpen sorgt dafür, dass der Stromverbrauch in den kommenden Jahren stark ansteigt. Selbst wenn die Prognose von 750 Terawattstunden zu hoch angesetzt sein sollte, so wird es sich verglichen mit den vergangenen Jahren trotzdem um einen signifikanten Mehrverbrauch handeln. Um unnötig hohe Kosten zu vermeiden, sollte dieser an die Stromerzeugung angepasst werden. Werden E-Autos beispielsweise dann geladen, wenn viel erneuerbarer Strom verfügbar ist, kann es das Stromnetz entlasten. Der Stromverbrauch von Wärmepumpen ist zwar nicht so planbar und flexibel wie die E-Mobilität, führt aber trotzdem zu einem ständig höheren Stromverbrauch. Das würde die Netze in Zeiten hoher Stromerzeugung noch weiter entlasten. Im Gegenzug wäre der Bedarf an Reserveenergie während Dunkelflauten höher.
Um den eigenen Stromverbrauch im Haushalt an die volatile Stromerzeugung anzupassen, kann ein Smart Meter helfen. Smart Meter kommunizieren selbstständig mit allen Teilnehmern am Energiemarkt. Dadurch können Verbraucher ihren eigenen Stromverbrauch je nach Tageszeit besser einschätzen und diesen je nach Bedarf und Wunsch an die Stromerzeugung anpassen. Während in Haushalten mit einem jährlichen Stromverbrauch von mehr als 6.000 kWh seit diesem Jahr sowieso nach und nach Smart Meter eingebaut werden, können sich andere Haushalte auch freiwillig dafür entscheiden. Wer unter den Pflichteinbau fällt, wird rechtzeitig vom Messstellenbetreiber informiert. Im Zusammenhang mit Smart Metern sind auch dynamische Stromtarife ein Mittel, um den eigenen Stromverbrauch an die Stromerzeugung anzupassen. Ein dynamischer Stromtarif orientiert sich an den ständig wechselnden Börsenstrompreisen. Legen Verbraucher ihren Strombedarf also in die Zeiten niedriger Strompreise, können sie Geld sparen. Das sind normalerweise auch die Zeiten, in denen die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auf Hochtouren läuft.

