Erneuerbare Energien und Klimaziele: Deutschlands Aufgabe in der Energiewende

    Erneuerbare Energien und Klimaziele: Deutschlands Aufgabe in der Energiewende

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    Bis 2030 sollen Erneuerbare Energien den Großteil der deutschen Stromversorgung bewältigen und CO2-Emissionen in Deutschland im Vergleich zu 1990 um 65 Prozent reduziert werden. Dafür braucht es einen raschen Ausbau erneuerbarer Energien, wie er im EEG geplant ist. Obwohl darüber diskutiert wird, den Ausbau zu verlangsamen, zeigt eine Studie: Aus wirtschaftlicher Sicht ist es wohl das Beste, am Ausbauplan bis 2030 festzuhalten.

    Das Jahr 2030 ist energiepolitisch mit mehreren Zielen verbunden: Das EEG sieht bis 2030 einen Anteil von 80 Prozent erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch vor, Treibhausgasemissionen sollen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 65 Prozent reduziert werden. Der Kohleausstieg ist zwar für 2038 angepeilt, die vergangene Ampelregierung hatte in ihrem Koalitionsvertrag aber immerhin vorgesehen, den Ausstieg bis 2030 zu beschleunigen. Die aktuelle Regierung aus CDU/CSU und SPD will dagegen am geplanten Ausstieg 2038 festhalten. Wie sieht die Zukunft der deutschen Energiepolitik aus und wie beeinflusst das den Strompreis? 

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    Energieplanung bis 2030 – und danach?

    Der Koalitionsvertrag zeigt in puncto Energiepolitik ein eher verhaltenes Bekenntnis zur Energiewende und zu Erneuerbaren Energien. So heißt es einerseits, man wolle alle Potenziale der Erneuerbaren Energien nutzen. Neben Wind und Sonne sollen also auch Bioenergie, Geothermie und Wasserkraft eingesetzt werden. Seit der EEG-Novelle von 2023 steht das Ziel, bis 2030 mindestens 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus Erneuerbaren Energien zu beziehen. Wenn in Zukunft auch die Punkte Heizen, Verkehr und Mobilität vermehrt durch Strom betrieben werden, anstatt durch Gas, Öl und Kraftstoffe, erhöht sich somit auch der Bedarf an Erneuerbaren Energien und einem beschleunigten Ausbau. Das erklärte Ziel bis 2030 den Großteil des Stromverbrauchs aus Erneuerbaren Energien zu stemmen, bleibt aber auch unter der aktuellen Regierung vorerst unverändert. Der Anteil von Erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch (inklusive fossilen Brennstoffen in der Industrie) soll bis 2030 dagegen 41 Prozent betragen.  

    Andererseits beinhaltet die Energieplanung bis 2030 auch eine Kraftwerksstrategie, die den Zubau von bis zu 20 GW an Gaskraftwerksleistung bis 2030 vorsieht. Diese sind in erster Linie als Reservekapazitäten geplant, um sowohl das Stromnetz bei Versorgungsengpässen als auch den Strompreis zu stabilisieren. Nach 2030 soll der Wandel zu einer klimafreundlichen Energiepolitik aber nicht stehenbleiben. Das Kohleverstromungsbeendigungsgesetz sieht einen Kohleausstieg bis spätestens 2038 vor. Während die vergangene Ampelregierung dieses Ziel sogar schon 2030 erreichen wollte, hält die aktuelle Regierung am gesetzlichen Zeitplan bis 2038 fest. 

    Auch auf EU-Ebene gibt es Klimaziele. Auf der einen Seite müssen alle Mitgliedstaaten die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 senken. Auf der anderen Seite steht das Ziel Klimaneutralität bis 2050. Deutschland will beide Ziele übertreffen: Eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 65 Prozent bis 2030 und Klimaneutralität 2045.  

    Welche Kraftwerke decken die Grundlast?

    Die Diskussion um Erneuerbare Energien und Klimaneutralität bringt auch immer wieder die Verlässlichkeit von Wind- und Sonnenenergie ins Spiel. Diese beiden sollen die wichtigsten Quellen für die deutsche Stromversorgung werden, sind aber von ihrer Volatilität und Abhängigkeit vom Wetter geprägt. Weil es zu Dunkelflauten kommen kann, besteht die Sorge, dass Photovoltaik und Windkraft nicht in der Lage sind, die ständig notwendige Grundlast zu decken. Somit ist es notwendig, diese Stromerzeugung durch verlässliche Kraftwerke abzusichern, die bei Bedarf flexibel und ohne viel Vorbereitungszeit einspringen können. 

    Grundlastfähige Kraftwerke sind in der Regel alle Kraftwerke, die immer Strom erzeugen können, ohne besonders von äußeren Einflüssen abhängig zu sein. Idealerweise laufen diese Kraftwerke dann auch mit erneuerbaren Energien. Für die Zukunft sind vor allem folgende Optionen im Gespräch: 

    • Kernkraftwerke 
    • Gaskraftwerke (ggf. auch mit Wasserstoff) 
    • Geothermische Stromerzeugung 
    • Kernfusionskraftwerke 

    Kohlekraftwerke sind theoretisch auch in der Lage, eine Grundlast bereitzustellen. Durch ihre klimaschädlichen Emissionen und das bevorstehende Ende der Kohleverstromung in Deutschland spielen diese aber keine wirkliche Rolle in der Diskussion. Aus der Kernkraft ist Deutschland zwar schon ausgestiegen, trotzdem gibt es immer noch Stimmen, die einen Wiedereinstieg fordern, auch wenn das weder technisch möglich noch wirtschaftlich sinnvoll ist.  

    Eine Alternative zu Kernkraftwerken sind Kernfusionskraftwerke, in denen nicht schwere Atomkerne gespaltet, sondern leichte Kerne (etwa von Wasserstoff) fusioniert werden. Fusionskraftwerke imitieren idealerweise die Prozesse auf der Sonne, um anschließend aus der dabei entstehenden Bewegungs- und Wärmeenergie Strom zu erzeugen. Einerseits ist der Prozess an sich so deutlich sicherer, andererseits sind Strahlung und Halbwertszeiten der radioaktiven Abfälle geringer, sie müssen also nicht so lange aufbewahrt werden. Aktuell verlangt das deutsche Gesetz ein Endlager, in dem radioaktive Abfälle mindestens eine Million Jahre sicher gelagert werden können. Bei den aus einer Kernfusion entstandenen Produkten würde nach aktuellem Kenntnisstand eine Lagerung von “nur” 100 Jahren genügen. 

    Auch wenn im Koalitionsvertrag davon die Rede ist, Fusionskraftwerke zu fördern, sei diese Technologie laut einer Studie der ESYS aktuell nicht mehr als eine interessante Form der zukünftigen Stromerzeugung. Auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045 spiele sie aber keine Rolle. Vor 2050 würde diese Technologie nicht ausgereift genug sein, um eine wettbewerbsfähige Alternative darzustellen und auch danach bleibt fraglich, ob sie sich überhaupt durchsetzen wird. Stattdessen sieht die ESYS vor allem Gaskraftwerke mit CO2-Abscheidung als die Technologie, die sich bis 2045 am ehesten realisieren lässt, trotz der klimapolitischen Konflikte.  

    Windkraftwerke auf Feldern produzieren Strom aus Erneuerbaren Energien. Im Hintergrund steht die Sonne tief am Himmel
    Ein zügiger Ausbau Erneuerbarer Energien sorgt in Zukunft für einen niedrigeren Strompreis

    Erneuerbare Energien entlasten den Strompreis

    Erneuerbare Energien beeinflussen den Strompreis, das ist erstmal nichts Neues. Gibt es viel Wind und Sonne, wird auch viel Strom aus Erneuerbarer Energie produziert. So sinkt der Preis, weil anstelle von teuren Kraftwerken mit fossilen Brennstoffen hauptsächlich Windkraftwerke und Solaranlagen laufen. Unter Umständen führt ein Überangebot an Wind- und Solarstrom auch zu negativen Strompreisen. Auf der Gegenseite steigt der Preis in Zeiten, in denen nur wenig Ökostrom vorhanden ist. 

    In dem Zusammenhang hat auch der geplante Ausbau Erneuerbarer Energien einen Einfluss auf den Strompreis. Im Rahmen einer Studie von Agora Energiewende hat sich Aurora Energy Research mit einer Strompreisanalyse für 2030 beschäftigt. Dabei haben sie zwei Szenarien berücksichtigt: 

    1. 1Den nach dem aktuellen EEG geplanten Ausbau Erneuerbarer Energien: Damit würden sich sowohl die installierte PV-Leistung als auch die Windkraftleistung bis 2030 etwa verdoppeln. 
    2. 2Einen an die gesunkene Stromverbrauchsprognose angepassten EE-Ausbau: In diesem Szenario geht man davon aus, dass der PV-Zubau halbiert wird, der Zubau von On-Shore-Windkraft 40 Prozent und der von Off-Shore-Windkraft 30 Prozent niedriger ist als im EEG geplant. 

    Das Ergebnis der Analyse: Wird der Ausbau so fortgeführt wie geplant, würde der Börsenstrompreis in 2030 etwa 20 Euro/MWh niedriger sein, unabhängig von der Stromverbrauchentwicklung. Im Szenario mit niedrigerem Stromverbrauch bedeute das einen niedrigeren Börsenstrompreis und vor allem eine Gesamtentlastung von etwa 12 Milliarden Euro bei Verbrauchern. Die anfallenden staatlichen Förderausgaben betragen dagegen nur zwischen 7 und 7,8 Milliarden Euro. Die Strompreissenkung ist damit etwa 1,6-mal so hoch wie die Ausgaben, andere staatlich geplante Entlastungen sind weniger wirksam. 

    Steigt der Stromverbrauch stattdessen so an, wie es im EEG prognostiziert wurde, ist die Gesamtentlastung bei Verbrauchern noch höher: 14 Milliarden Euro. Dem stünden staatliche Förderausgaben in Höhe von 7,5 bis 7,7 Milliarden Euro entgegen. Damit wäre die Entlastung sogar fast doppelt so hoch wie die Investition. 

    Den EE-Ausbau zu verlangsamen, führe dagegen zu wirtschaftlichen Risiken. Steigt der Strombedarf plötzlich und ruckartig an – aus welchen Gründen auch immer – sorgt das auch für höhere Strompreise, was dann teure und kurzfristige politische Entlastungsmaßnahmen notwendig macht.

    Maite Helms
    Autor
    PR & Content Managerin
    Zum Autorenprofil →
    Veröffentlicht: 21. Juli 2025
    Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2026
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